
«Es war ein Albtraum. Doch für mich gab es ein Erwachen – und mein Leben ist heute farbenfroher als zuvor.»
Rolle bei Periparto / seit wann engagiert
Seit 2024 bei Periparto als Patin engagiert. Heute leite ich die Gesprächsgruppe für Frauen, die eine postpartale Psychose erlebt haben.
Jahrgang
1987
Familiensituation
Ich bin verheiratet und habe einen Sohn.
Kinder
Ein Sohn, geboren 2018.
Beruf / aktuelle Tätigkeit
Als EEH-Fachberaterin in Ausbildung (seit 2024) begleite ich Eltern und ihre Kinder in der frühen Familienzeit. Zudem bin ich Partnerin der WEISSWERT GmbH für visuelle Gestaltung und Fotografie (seit 2012).
Sprachen
Deutsch, Französisch
Meine Diagnose / Erkrankung
Postpartale Psychose, auch Wochenbettpsychose genannt.
Erste Anzeichen setzten ein
In den ersten Tagen nach der Geburt meines Sohnes im Oktober 2018.
Dauerte ca.
Die akute Krise prägte die ersten Wochen nach der Geburt. Mein Genesungsweg erstreckte sich über mehrere Monate.
Vorgeschichte mit psychischen Erkrankungen
Keine Vorerkrankung
Anzeichen / Symptome
• Anhaltende Schlaflosigkeit und starke innere Unruhe
• Zunehmende Überforderung, Konzentrationsprobleme und Orientierungslosigkeit
• Veränderte Wahrnehmung und Schwierigkeiten, meine Gedanken zu ordnen und mich mitzuteilen
Auslöser
Rückblickend kamen für mich grosser Schlafmangel und körperliche Erschöpfung nach einer langen Geburt zusammen. Mir fehlten Ruhe und eine verlässliche Begleitung, die uns als junge Familie und unsere Situation als Ganzes wahrnahm.
Meine Geschichte in Kurzfassung
Nach der Geburt meines Sohnes 2018 entwickelte ich eine Wochenbettpsychose. Ich schlief kaum noch, verlor zunehmend die Orientierung und litt unter Wahrnehmungsstörungen. Obwohl wir wiederholt Hilfe suchten, wurde ich mit meiner Not lange nicht ausreichend ernst genommen. Es folgten Notfallbehandlungen und ein kurzer psychiatrischer Klinikaufenthalt mit der Trennung von meinem neugeborenen Sohn.
Nach der Rückkehr nach Hause begann ein längerer Genesungsweg. Eine besondere Bedeutung bekam dabei die Emotionelle Erste Hilfe (EEH). Hier fanden wir als Familie Raum für das Erlebte.
Wie hat dein Umfeld reagiert, als du offen darüber gesprochen hast?
Mein Mann und meine Familie standen mir zur Seite und bemühten sich um Unterstützung. Über das Erlebte zu sprechen, fiel mir trotzdem lange schwer und war mit Scham verbunden. Heute teile ich meine Geschichte bewusst in ausgewähltem Rahmen, um Verständnis zu schaffen und Vorurteile abzubauen. Mir ist es ein grosses Anliegen, für psychische Krisen nach der Geburt und die Bedürfnisse betroffener Familien zu sensibilisieren – damit Warnzeichen früher erkannt und Eltern in ihrer Not ernst genommen werden und angemessene Unterstützung erhalten
Wie sieht dein Alltag heute aus?
Heute verbinde ich mein Familienleben mit meiner Tätigkeit als Partnerin bei WEISSWERT und der Begleitung von Eltern und Kindern. Die Emotionelle Erste Hilfe (EEH) ist über die Jahre ein wichtiger Bestandteil meines Lebens geworden. Aus meiner persönlichen Erfahrung ist der Wunsch gewachsen, Familien in belastenden Situationen zu unterstützen und mich dafür fachlich weiterzubilden.
Was hättest du dir damals gewünscht zu wissen?
Vor der Geburt kannte ich den Begriff Wochenbettdepression, von einer Wochenbettpsychose hatte ich noch nie gehört. Ich hätte mir gewünscht, mehr darüber zu wissen und früher passende Unterstützung zu finden. Vor allem hätte ich gebraucht, dass jemand meine Wahrnehmung ernst nimmt: Es stimmt etwas nicht, und ich brauche Hilfe.
Das hat mir wirklich geholfen
Der Rückhalt meines Mannes und das Zusammensein mit meinem Sohn, sowie die Möglichkeit, wieder zu Hause zu sein. In der Emotionellen ersten Hilfe (EEH) erlebte ich eine Begleitung, die sich Zeit nahm, zuhörte und mein Tempo respektierte. Ich durfte Grenzen setzen und Bedürfnisse äussern.
Was würdest du jemandem sagen, der/die gerade mittendrin steckt?
Es war ein Albtraum. Doch für mich gab es ein Erwachen – und mein Leben ist heute farbenfroher als zuvor.
Warum engagierst du dich bei Periparto?
Nach meiner Erkrankung war mir schnell klar, dass ich mit meiner Geschichte etwas bewegen möchte. Ich wünsche mir, dass psychische Erkrankungen rund um die Geburt früher erkannt werden und Familien schneller passende Unterstützung erhalten. Mit meiner Erfahrung möchte ich zur Entstigmatisierung beitragen. Mit meiner EEH-Ausbildung vertiefe ich meine fachlichen Kenntnisse, um Eltern und Kinder in belastenden Situationen zu begleiten.