


Seit ich 2018 endlich die Diagnose Endometriose bekommen habe, hatte ich Angst, nicht schwanger werden zu können. Alle – inklusive meiner Gynäkologin – sagten mir, dass es extrem schwierig werden würde.
2021 haben mein Partner und ich uns dann entschieden, es zu versuchen – und ich wurde tatsächlich im ersten Monat schwanger. Wir freuten uns riesig, und ich bereitete liebevoll das Kinderzimmer vor. Mir ging es grossartig: keine Morgenübelkeit, ich war sportlich aktiv und fühlte mich wohl in meiner Haut. Ich arbeitete 80 % und absolvierte nebenher meine zweite Ausbildung.
Der Geburtstermin war im November, und ich war bestens vorbereitet – mit Hypnobirthing, Musik, Ölen – ich freute mich auf die Geburt. Am 19. Oktober um 6 Uhr morgens hatte ich dann einen frühzeitigen Blasensprung (ich war zwei Wochen zuvor krankgeschrieben worden, um mich zu schonen, aber es gab keine Anzeichen für eine Frühgeburt!). Wir verbrachten den ganzen Tag in Spital Nr. 1 und später in Spital Nr. 2, wo dann ein Notkaiserschnitt bei 34+5 durchgeführt wurde. Unsere Tochter kam gesund zur Welt – und im ersten Moment verspürte ich nur Glück, Liebe und Dankbarkeit.
Dann kam der Schock: Die Kleine musste wegen einer Unterzuckerung auf die Neonatologie, mein Partner wurde aufgrund der Coronamassnahmen um 4 Uhr morgens nach Hause geschickt, und ich lag mutterseelenallein im Zimmer. Ich zitterte am ganzen Körper – ich war gerade fünf Wochen zu früh Mutter geworden, und dann war ich völlig allein. Die Krankenschwester kam und sagte, ich müsse jetzt abpumpen – was ich brav tat. Zwei Stunden später war ich bereits bei meiner Tochter, nur am Weinen, weil alles schmerzte und ich sie kaum halten konnte. So fing alles an.
Ich fühlte mich allein, überfordert, traurig und nicht adäquat begleitet. Ich weinte viel und hätte so sehr meinen Mann gebraucht – aber er durfte wegen der Massnahmen in Spital Nr. 2 nicht bei mir sein (in Spital Nr. 1 galten diese übrigens nicht …). Ich konnte nicht mehr schlafen, und es kamen wirre, negative Gedanken. Ich entwickelte aggressive Zwangsgedanken gegen mich selbst. Ich wollte nach Hause, ich wollte einfach diesen „perfekten“ Start. Ich war völlig erschöpft – von der Neo, vom Abpumpen, von der Sorge um meine Tochter.
Ich möchte euch Frauen ermutigen: Seid ehrlich zu euch selbst. Holt euch Hilfe. Schluckt diese Beschwerden nicht runter. Es gibt Unterstützung.