


Meine mütterliche Krise, die die Form einer postpartalen Depression annahm, dauerte neun Monate.
Meine erste Schwangerschaft: ein sehr gewünschtes Kind, eine vollkommen harmonische Schwangerschaft, eine physiologische Geburt auf einer Geburtsstation. Die ersten Momente waren wunderschön: zwei Stunden Haut-zu-Haut-Kontakt mit meinem Sohn und sofortige Liebe auf den ersten Blick zu diesem kleinen Wesen, das gerade zu uns gekommen war.
Während des Aufenthalts auf der Geburtsstation war ich bereits sehr ängstlich in Bezug auf sein Wohlbefinden, darauf, alles richtig zu machen, auf das Stillen und darauf, genug Milch zu haben. Ich war extrem sensibel gegenüber seinem Weinen, das ich überhaupt nicht ertragen konnte, und hatte eine fixe Vorstellung: „Eine gute Mutter = ein Kind, das nicht weint“. Also versuchte ich, alles zu kontrollieren und allem zuvorzukommen, um das Weinen zu vermeiden.
Ich war sehr beunruhigt durch sein Weinen, seine Bedürfnisse und diese immense Abhängigkeit. Zunächst durchlief ich eine Phase der Überaktivierung, die ich heute – nachdem ich den richtigen Begriff kenne – als Hypervigilanz bezeichnen würde (ein Symptom, das sehr häufig vor einem psychischen Zusammenbruch auftritt). Ich machte alles: Putzen, die Versorgung meines Kindes, Stillen, Bügeln, Kochen, Spaziergänge. Ich fühlte mich unbesiegbar.
Ich war sehr glücklich und gleichzeitig ängstlich – etwas, das weder vor noch während der Schwangerschaft meinem Wesen entsprach. Rückblickend war alles stressig: das Weinen, Autofahrten, das Stillen, der Tagesrhythmus. Ein Anspruch, der immer sehr, zu hoch war. Heute weiss ich, dass Projektionen aus meiner eigenen Kindheit und meine Verlustangst reaktiviert wurden. Ich wollte mein Kind immer bei mir haben, war sehr auf ihn fokussiert und wollte, dass er sich möglichst harmonisch entwickelt, ohne Leiden, mit sofortiger Reaktion auf all seine Bedürfnisse. Ich hielt diese Hypervigilanz aufrecht und ruhte kaum. Bei jedem kleinsten Zeichen oder jeder Bewegung dachte ich, ich müsse reagieren, sonst könnte ihm Trost fehlen, was ihm Unbehagen bereiten würde. Seine Verletzlichkeit als Neugeborener und diese Phase extremer Abhängigkeit vermittelten mir das Bild eines fragilen, verletzlichen Kindes. Heute weiss ich, dass ich selbst sehr fragil und verletzlich war.