


Nina liebte ihren Sohn von Anfang an. Trotzdem war sie mit der neuen Aufgabe als Mutter und der Verantwortung für ein Baby auf Dauer völlig überfordert. Ihre Ärzte diagnostizierten eine postpartale Depression. Eine Therapie und eine Selbsthilfegruppe gaben ihr neue Kraft. Wie, erzählt sie in diesem Erfahrungsbericht.
Leon (Name geändert) war nicht geplant. Ich wurde schwanger, da kannten mein Partner und ich uns noch nicht lange. Gerade hatte ich meinen Job gekündigt. Es war der völlig falsche Zeitpunkt für ein Kind. Ich hatte überlegt abzutreiben, weil ich mir nicht sicher war, ob mein Partner der richtige für mich ist. Als ich aber in der Vorsorgeuntersuchung das Herzli im Monitor schlagen sah, baute ich ein Gefühl zu meinem Baby auf. Ausserdem wollte ich schon immer Mutter werden. Ich bin Mitte 30 und werde nicht jünger. Da dachte ich, doch, wir schaffen das.
Ich habe Leon von Anfang an sehr gern gehabt; anders als andere Mütter mit postpartaler Depression, die kein Gefühl zu ihrem Baby aufbauen können. Aber ich war wütend auf das, was das Muttersein mit sich brachte: tagsüber mit dem Baby völlig allein zu sein und die Verantwortung für das Kind zu tragen. An Leons Entwicklung konnte ich mich nicht richtig erfreuen.
Das Zusammenspiel aller Therapien auch nach dem Klinikaufenthalt und die Selbsthilfegruppe haben mir wirklich sehr geholfen. Ich besuche die Selbsthilfegruppe immer noch regelmässig, um mit den anderen zu reden. Ich weiss, wenn es mir wieder schlechter gehen würde, hätte ich Rückhalt in der Gruppe.
Leon habe ich heute wahnsinnig gern. Er macht super schnell vorwärts mit allen Sachen. Er lernt viel von den anderen Kindern in der Krippe. Ich freue mich so an ihm und seinen Entwicklungsschritten. Am Anfang hat mir das gar nichts gegeben. Ich habe aber auch heute noch Mühe mit Babys und kann wenig mit ihnen anfangen.
Seit es mir besser geht, geht es auch mit meinem Partner besser. Wir streiten uns immer noch über Kleinigkeiten, aber jetzt ist alles im normalen Bereich.
Dieser Erfahrungsbericht wurde auf Familienleben.ch im März 2015 veröffentlicht.