


Rückblickend war meine erste postpartale Depression (PPD) eigentlich keine Überraschung und es ist umso trauriger, dass diese so lange nicht erkannt wurde. Ich gebe hierfür aber niemandem die Schuld, denn ich habe so krampfhaft versucht, die Fassade aufrechtzuerhalten, dass es von aussen fast unmöglich war, zu erkennen, dass etwas nicht in Ordnung war. Die Schwangerschaft verlief problemlos, wir zogen allerdings währenddessen in die Schweiz um. Ich erlebte dann direkt vor der Geburt sehr nah den Verlust eines Babys kurz vor dem Stichtag mit und bewegte mich vor und nach der Geburt immer in dem Spannungsfeld zwischen Leben und Tod, und somit in völligem emotionalen Chaos.
Nach einigen Wochen hatte ich aber das Gefühl, alles sei ok. Ich war überzeugt, dass ich alles im Griff hatte, dass ich innerhalb von 6 Monaten wieder „ganz die Alte“ sein würde – körperlich und auch sonst – was ich mir auch als anstrebenswertes Ziel gesetzt hatte. 3 Monate nach der Geburt erlitt meine Mutter einen sehr schweren Autounfall, lag eine Woche im Koma und es war nicht klar, ob und wie sie überleben wird. Ich verbrachte dann gut einen Monat in Deutschland, um bei meiner Familie zu sein und meine Mutter täglich auf der Intensivstation besuchen zu können. Während dieser Zeit stillte ich noch voll und die ganze Situation strapazierte mich ziemlich.
Nachdem ich diese schwierigen Jahre hinter mir gelassen habe, sind mir vor allem zwei Sachen sehr bewusst:
Ich kenne und fühle mich heute besser als jemals zuvor in meinem Leben und bin somit auch dankbar für alles, was mich dahin gebracht hat.
UND
Alle (werdenden) Mütter und Väter sollten Zugang zu Unterstützung und Begleitung haben – offener Umgang mit dem Thema der psychischen Gesundheit rund um die Geburt, Prävention und achtsame Begleitung sind aus meiner Sicht der Schlüssel, um mehr Menschen dieses Leid zu ersparen.