
Ich habe mir schon immer Kinder gewünscht und auch in meinem Umfeld meinten viele, dass das Muttersein wohl eine sehr passende Rolle für mich sei. Als mein Partner und ich uns entschieden, die Verhütung abzusetzen, wurde ich bald darauf schwanger. Ich durfte eine komplikationslose Schwangerschaft erleben und freute mich auf das bevorstehende Abenteuer mit einem Baby. Auch war für mich immer klar, dass ich sicher zwei Kinder möchte. An einer postpartalen Depression zu erkranken, war die einzige Angst, welche ich beim Erstgespräch mit der Hebamme angab. Ich kannte die Stimmungstiefs von mir bereits und hatte schon einzelne Begegnungen in meinem Erstberuf als Pflegefachfrau Psychiatrie mit frischgebackenen Müttern in der Krise gemacht. Ich stellte es mir schrecklich vor, in diesem Augenblick des Lebens in ein solches Loch zu fallen oder eine Psychose zu entwickeln.
Meine Geburt begann, wie gewünscht, hebammengeleitet. Jedoch verlief alles anders und anstatt spontan und hebammengeleitet zu gebären, war ein Notkaiserschnitt notwendig. Dazu kam die Angst um unsere Tochter und darum, dass sie in ein Spital mit Neonatologie verlegt werden müsste.
Ich wusste bereits, dass es sich nicht bei allen Müttern um Liebe auf den ersten Blick handelt, aber das Gefühl, wenn man nach der Operation einfach nur hofft, dass der Kindsvater möglichst lange mit dem kleinen Wunder von einem wegbleibt – dieses schreckliche Gefühl werde ich mein Leben lang nicht vergessen. Teilweise «überfraut» mich heute noch das schlechte Gewissen gegenüber meiner Tochter, dass ich in diesem Moment so gedacht habe.