


Bis zu meiner ersten Schwangerschaft verging viel Zeit mit Warten, Hoffnungen, Enttäuschungen, Bangen, Hormonbehandlungen und einigen Fehlgeburten. Als es dann endlich klappte und ich mit unserem absoluten Wunschkind schwanger war, war meine Welt einfach nur in Ordnung und ich überglücklich. Die PPD (Postpartale Depression) gleich nach der Geburt meines Sohnes schlug wie ein Blitz in meinem Leben ein, verwüstete mein Seelenleben und mein Glaube an ein glückliches Muttersein. Ich brauchte neun lange Monate, um endlich wieder ein „normales“ Leben zu führen und mich langsam an das „Glücklichsein“ herantasten zu können. Die PPD hat jedoch tiefe Wunden hinterlassen, die zwar geheilt, aber immer noch in meinem Bewusstsein vorhanden sind.
Nach knapp zwei gesunden und medikamentenfreien Jahren kam bei mir – und vor allem bei meinem Mann – der Wunsch nach einem zweiten Kind. Wir beschlossen das Abenteuer nochmals zu wagen und setzten die Verhütung ab. Dieses Mal wollten wir aber auf jegliche Form von „Nachhelfen“ verzichten und so rechnete ich eigentlich damit, dass es sicherlich wiederum lange dauern oder sogar überhaupt nicht mehr klappen würde. Umso mehr starrte ich nach dem ersten, verhütungsfreien Zyklus auf einen positiven Schwangerschaftstest. Die Überraschung war riesengross und es überkam mich eine erste Freude mit einem absoluten Hochgefühl. Nach ein paar Tagen auf Wolke sieben kamen aber dann bereits die ersten dunklen Wolken daher. Mir wurde bewusst, dass die Entscheidung jetzt gefallen war und ich sie nicht mehr rückgängig machen konnte. Was, wenn die PPD wieder zurückkehrt? Was mache ich mit meinem älteren Sohn, wenn ich mit dem Baby wieder in eine Mutter-Kind-Klinik muss? Schaffe ich es nochmals durch die Hölle zu gehen? Es war ein "Auf und Ab" – die Freude und das unendliche Geniessen der Schwangerschaft wechselte sich mit Ängsten und Panikgedanken für die Zeit nach der Geburt ab. So begann ich für mich eine Checkliste zu erstellen, wie ich mir die Zeit nach der Geburt organisieren könnte. Ich setzte alle Faktoren, die mich während meiner ersten PPD in einen Stresszustand versetzt hatten, auf die Liste und überlegte mir passende Lösungen dazu. Das sah in etwa so aus:
Dies war sie also, meine Checkliste. Sie war ein wichtiger Bestandteil meiner zweiten Schwangerschaft. So hatte ich für mich das Gefühl aktiv etwas machen zu können und einer erneuten PPD entgegen zu wirken.
Ich war mir voll bewusst, dass viele meiner möglichen Lösungen mit – zum Teil grossen – zusätzlichen Kosten verbunden waren. Ich hoffte jedoch, dass diese zusätzlichen Ausgaben bestmöglich in meine Gesundheit investiert waren. Bei meiner ersten PPD hatte ich für den Klinikaufenthalt ebenfalls beträchtliche, nicht von der Krankenkasse abgedeckte Kosten selber zu tragen. Ich hoffte nun einfach, dass sich mit meinem Vorgehen diese Kosten dafür gering halten würden. Vielleicht gäbe es ja auch „Light-Versionen“ zu meinen Lösungen? Jeder Mensch hat ein anderes Umfeld und somit vielleicht andere Lösungsmöglichkeiten. Wichtig ist nur, dass man sich überhaupt mit diesen Themen auseinandersetzt und für seine ganz eigenen Stressfaktoren die persönlichen Lösungen sucht.
Sie fragen sich nun bestimmt, ob die PPD nach der Geburt nun erneut aufgetreten ist!?! Nein, ich hatte das grosse Glück von einer weiteren PPD verschont zu bleiben. Es gab zwar immer wieder Tage oder Zeiten, an denen ich auf einem ganz schmalen Grad ging und wusste, dass ein „Fehltritt“ mich in die Tiefe stürzen lassen würde, aber irgendwie habe ich immer wieder den Halt und die Trittfestigkeit erlangt, zurück auf den breiteren Weg zu gelangen. Ob dies meiner Checkliste zu verdanken ist? Wahrscheinlich nicht; für eine PPD spielen ja noch so viel mehr Faktoren mit. Es war einfach unermessliches Glück, dieses Mal nicht davon betroffen zu sein. Sicherlich hat mir aber die Checkliste während der Schwangerschaft ein grosses Stück der Angst und des Drucks weggenommen und ich konnte mehrheitlich Glückgefühle über das wachsende Leben in mir erleben. Ich konnte so das Gefühl haben, für mich bestmöglichst auf die Zeit nach der Geburt vorbereitet zu sein – mit oder ohne PPD.