
Mittwoch, 9. September 2026
Die postpartale Depression (PPD) betrifft weltweit Millionen Frauen und wirkt sich nicht nur auf die Mutter, sondern auf die ganze Familie aus. Der Ende August 2026 erschienene Policy Brief Nr. 10 der Eidgenössischen Kommission für Familienfragen (EKFF) fasst den aktuellen Forschungsstand zusammen und zeigt: Obwohl auch in der Schweiz 12–15% der Mütter betroffen sind, fehlen bisher spezifische nationale Erhebungen. PPD ist mehr als der bekannte «Baby Blues». Sie kann bereits während der Schwangerschaft beginnen, bis zu einem Jahr nach der Geburt auftreten und hält unbehandelt oft über Wochen an. Betroffen sind nicht nur Mütter: Auch der zweite Elternteil trägt ein erhöhtes Risiko, selbst depressive Symptome zu entwickeln.
Der Bericht formuliert sechs Handlungsempfehlungen für die Schweiz:
Nationale Datenerhebung zu Häufigkeit und regionalen Unterschieden
Verbindliches Screening in Schwangerschaft und im ersten Jahr nach der Geburt
Ausbau des Versorgungsnetzes (z. B. Mutter-Kind-Stationen, bessere Koordination)
Gerechter, mehrsprachiger Zugang für Migrant:innen und sozial benachteiligte Gruppen
Paritätischere und längere Elternzeit
Erwerbsersatz von 100% des Lohnes während Arbeitsverbot bzw. bei gefährlicher Arbeit
Für uns bestätigt der Bericht, wie wichtig Früherkennung, niederschwellige Angebote und der Austausch unter Betroffenen sind. Viele Mütter und Familien fühlen sich in dieser Phase allein gelassen, gerade weil postpartale Depression noch immer zu wenig sichtbar ist und Betroffene sich oft schämen, darüber zu sprechen. Genau deshalb setzen wir bei Periparto auf drei Ebenen an: Wir schaffen Räume, in denen sich Betroffene austauschen und gegenseitig unterstützen können. Wir vernetzen Familien mit Fachpersonen, damit Anzeichen frühzeitig erkannt und ernst genommen werden. Und wir sorgen dafür, dass Unterstützung niederschwellig zugänglich ist, unabhängig von Sprache, sozialer Situation oder Wohnort.