


Die Begleitung eines psychisch erkrankten Angehörigen stellt eine grosse Herausforderung dar. In dieser schwierigen Zeit ist es ebenso wichtig, auf das eigene Wohl zu achten. Angehörige sollten sich daher bewusst werden, dass auch sie Hilfe benötigen und diese Aufgabe nicht allein bewältigen müssen. Der erste Schritt kann darin bestehen, fachliche Beratung zu suchen. Therapeuten, Anlaufstellen wie Mütter- und Väterberatungsstellen oder der Hausarzt bieten wertvolle Orientierung, um die Situation besser zu verstehen und geeignete Lösungsansätze zu finden.
Gesprächsgruppen bieten zudem eine ausgezeichnete Gelegenheit zum Austausch mit anderen Angehörigen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Hier können Sie lernen, wie Sie mit der belastenden Lage umgehen und gleichzeitig Ihren eigenen Stress abbauen. Auch das soziale Netzwerk aus Freunden oder Familienmitgliedern kann eine bedeutende Entlastung bieten. Bitten Sie um Spaziergänge mit dem Baby im Kinderwagen oder um vorgekochte Mahlzeiten. Regelmässige Auszeiten sind wichtig, um Erschöpfungszuständen vorzubeugen.
Neben externer Hilfe sollten Angehörige darauf achten, ihre eigene körperliche und psychische Gesundheit zu erhalten. Ausreichend Schlaf, eine ausgewogene Ernährung und Bewegung sind essenziell, um die eigene Energie aufrechtzuerhalten. Das regelmässige Überprüfen der eigenen Bedürfnisse hilft dabei, Stress zu erkennen und rechtzeitig gegenzusteuern. Es ist nicht unüblich, wenn dabei schlechtes Gewissen empfunden wird aber es ist auch wichtig, sich die Erlaubnis zu geben, die eigenen Bedürfnisse anzusprechen und zu respektieren.
Die Verantwortung für das Beistehen des Partners oder der Partnerin kann überwältigend wirken. Daher sollte, wo immer möglich, Hilfe organisiert werden. Pausen sind entscheidend, um sich zu erholen und neue Kraft zu schöpfen. Denken Sie über zusätzliche Kinderbetreuung oder professionelle Unterstützung im Haushalt nach. Manchmal genügt es, kleine Freiräume zu schaffen, um sich selbst neu zu finden und den emotionalen Druck zu verringern.
Ein weiteres hilfreiches Mittel ist das Setzen von klaren Grenzen. Angehörige müssen nicht immer verfügbar sein. In manchen Fällen kann auch eine psychologische Beratung für Angehörige sinnvoll sein, um die eigenen Gefühle zu verarbeiten und den Überblick zu bewahren.
Geduld mit sich selbst und der betroffenen Person ist unerlässlich. Die Heilung von psychischen Erkrankungen kann viel Zeit in Anspruch nehmen, und Rückschläge gehören zum Prozess. Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass die Genesung Zeit braucht und es in Ordnung ist, Hilfe zu suchen, um selbst stark zu bleiben.
*Stand: Frühling 2026
Geschäftsleiterin